Griechen rebellieren weiter

Nach einem Jahr Sparkurs und Rezession haben die Griechen genug. Auf angedrohte Gebührenerhöhungen reagieren sie mit Streiks. Samstags und Sonntag ist jetzt Nichtzahl-Tag in Griechenland, Mittwoch ist für wichtige Streiks reserviert.

Nach einem Jahr Sparkurs und Rezession haben die Griechen genug. Auf angedrohte Gebührenerhöhungen reagieren sie mit Streiks. Im ganzen Land schwillt die Masse der Mautpreller und Schwarzfahrer an. Ein Beispiel von Abzocke: Selbst beim Kaffeehausbesuch am Wochenende machen die privaten Autobahnbetreiber Kassen, weil ganze Kleinstädte oder Athener Vororte mit einem Mal von gebührenpflichtigen Straßen eingekreist sind. Die Beträge, die sich ansammeln, sind erheblich: 1500 bis 1800 Euro im Jahr muss ein privater Autofahrer unter Umständen zahlen.

Diese Woche streiken Bus- und U-Bahnfahrer sowie das Universitäts- und Krankenhauspersonal. Ärzte sollen seit neuestem fünf Euro für eine ambulante Untersuchung kassieren. Nicht wenige weigern sich, diesen Betrag angesichts der Armut mancher Patienten zu verlangen. Die Züge in die Nachbarländer Türkei und Bulgarien hat die staatliche Eisenbahn aus Kostengründen bereits zum Großteil eingestellt.

Griechenland igelt sich ein – und rebelliert zugleich. Es will die “Anweisungen von EU und Währungsfonds” nicht akzeptieren. Das Land kommt auch nicht mit den Flüchtlingen zurecht, die illegal über die Grenze im Osten wechseln oder in Athen die vierte Woche im Hungerstreik sind. Die Griechen wollen in Würde leben und nicht einfach nur überleben. Das Motto des Landes: Wir bezahlen nicht auf Anweisungen von EU und Währungsfonds.

Das hat man oft genug gehört, seit Griechenland 2009 in die schwerste Finanzkrise seiner Geschichte gerutscht ist und mit einem Sparprogramm gegen den Staatsbankrott ankämpft. Doch nach einem Jahr Rekordrezession, nach Pleiten, Gehaltskürzungen und Preissteigerungen haben es die Griechen satt. Der zivile Ungehorsam, der um sich greift, ist das bemerkenswerteste Zeichen der nationalen Rebellion in diesen Zeiten.

Die Initiatoren der Nichtzahler-Bewegung finden schnell überall Anhänger in der Bevölkerung. Arme Leute verstehen die Krise besser. Ein Wechsel der Wirtschaftspolitik, durch zivilen Ungehorsam  ist Ziel. 2000 Familien in Griechenland besitzen rund 80 Prozent des Eigentums im Land. Es ist der alte Geist der Staatsfeindschaft, der sich jetzt wieder in Griechenland zeigt.

Giorgos Papandreou, der sozialistische Premierminister, beschuldigt Streikende als Krisenredner und Schlechtmacher. Doch die Mehrzahl der Griechen hat die Hoffnung auf ein Ende der Rezession verloren. Sie machen den Staat und die Politiker für alles verantwortlich. Die Regierung versucht die Nichtzahler-Komitees einzudämmen, die in allen größeren Städten des Landes aus dem Boden schießen. Es gibt Gespräche mit den privaten Autobahnbauern, die Tarife zu halbieren, und ein neues Gesetz, das Nichtzahlen als Vergehen mit hohen Geldbußen ahndet.

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