Bezahlter Glaube

Seit Jahren kämpfen die großen Kirchen in Deutschland mit sinkenden Mitgliederzahlen. 2008 verließen 120.000 Menschen die katholische Kirche. 160.000 traten aus der evangelischen aus. Bisher waren die Austrittszahlen auf evangelischer Seite allerdings kontinuierlich höher als auf katholischer. Aufgrund der Missbrauchsfälle in katholischen Institutionen und der schleppenden Aufklärung ist die Zahl der Katholischen, die ihre Kirche den Rücken kehrten, in den letzten Monaten jedoch sprunghaft angestiegen. So haben sich die Austritte etwa in Freiburg Erzbistum des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch im März von knapp 1.000 auf über 2.700 mehr als verdoppelt.
 
Laut einer Aktuellen Forsa- Umfrage denkt fast jeder vierte Katholik momentan über einen Abschied von der Amtskirche nach. Um die Kirche zu verlassen, muss man je nach Bundesland persönlich beim Amtsgericht (Berlin, Brandenburg, Nordrhein- Westfalen, Thüringen) oder dem Standesamt (alle anderen Bundesländer erscheinen. Dort legt man Personalausweis oder Reisepass vor und füllt ein Austrittsformular aus. Eine Begründung ist nicht erforderlich. In den meisten Bundesländern wird zudem eine Gebühr zwischen 10 und 31 Euro fällig. In Berlin und Brandenburg ist der Austritt kostenlos. Es wird empfohlen die Austrittbescheinigung anschließend gut aufzubewahren. Nach derzeitiger Rechtslage ist das ehemalige Kirchenmitglied in der Beweispflicht, falls der Austritt später angezweifelt werden sollte.
 
Anfang Mai entschied das Verwaltungsgericht Mannheim, dass ein reiner Kirchenaustritt nicht möglich ist. Als Kirchenmitglied müsse man Kirchensteuer zahlen.
 
Papst Benedikt XVI stimmte 2006 ausdrücklich einem Schreiben des Päpstlichen Rates zu, in dem es heißt, es reicht nicht, vor einer weltlichen Instanz seinen Austritt zu erklären. Wer nicht mehr katholisch sein will, müsse erstens innerlich vom Glauben abfallen, dies zweitens öffentlich vor einem Pfarrer oder Bischof kundtun und drittens müsste der Kirchenvertreter die Entscheidung akzeptieren.
 
Die deutschen Bischöfe erklärten hingegen, der Kirchenaustritt vor einem staatlichen Amt erfülle bereits den Tatbestand des Schismas, also der Kirchenspaltung.
 
Wenn nur die Kirchensteuer den Zutritt zum Christentum ermöglicht, weshalb bedarf es dann einen Glauben. Oder anders: Sind nur Kirchensteuerzahlende die wahren Christen?

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